Eine schlimme Woche liegt hinter uns….

Zunächst gab es hier auf der Insel eine Vermisstenanzeige: Eine junge, heiter aussehende Touristin aus Belgien war nach dem täglichen Joggen nicht zu ihrer Familie ins Hotel zurückgekehrt. Die Familie wollte eigentlich am gleichen Tag noch zurück nach Belgien fliegen. Eine groß angelegte Suchaktion begann. Zwei Tage später jedoch fand man dann ihre Leiche im Gebüsch. Wie schrecklich! Sofort dachte ich an die armen Eltern…. wie furchtbar erst die Ungewissheit und die Sorge und dann die Gewissheit einer so grauenvollen Tat, die ihnen ihr Kind geraubt hat.

Was war passiert? Mit Hilfe von Zeugenaussagen war der Täter sehr schnell gefunden, wurde verhört und verhaftet. Der junge Mann gestand, die 21-Jährige überfallen, sexuell misshandelt und mit einem Glasstück erstochen zu haben. Entsetzen machte sich breit.

Die sozialen Netzwerke waren sofort voll mit Bildern der jungen, hübschen Frau und Rufe nach Lynchjustiz für den Täter wurden laut. Dieses Verbrechen hat die Bewohner der Insel und die Touristen stark bewegt. Viele empfanden diese Tat als Anzeichen dafür, dass man in diesem Gebiet nun keinen Urlaub mehr machen könne, dass man noch stärker die Gegend kontrollieren müsse oder die Strafen für den Täter drakonisch ausfallen müssen. Viele waren ausser sich…Bei allem Respekt den Angehörigen gegenüber und auch gegenüber den ermittelnden Beamten und Behörden, muss ich sagen, dass ein Verbrechen jederzeit und an jedem Ort dieser Welt geschehen kann. Auch ein paradiesischer Urlaubsort ist davor nicht sicher. Wie Recht ich doch mit dieser Annahme haben sollte….

Es war teilweise schwierig für mich, die hitzigen Diskussionen nachzuvollziehen. Es war ein Unglück. Eine Tragödie. Ein Verbrechen hatte eine junge Frau einfach aus dem Leben gerissen und es scheint so willkürlich sie getroffen zu haben, dass es natürlich Angst macht, es könne wieder geschehen, aber sie hatten den Täter ja sofort gefunden.

Wir haben hier auf der Insel eine hohe Anzahl an sehr gut arbeitender Beamten, an Videoüberwachung und an Sicherheitsvorkehrungen, die es einem ermöglichen, sich sicher zu fühlen. Es gibt einige Dinge, die man hier nicht ohne Weiteres unternehmen kann und man sollte bestimmte Plätze zu bestimmten Uhrzeiten nicht unbedingt aufsuchen. Das kenne ich aus meiner deutschen Heimat allerdings auch. Scheinbar gehört auch Joggen zum immer gleichen Zeitpunkt auf der immer gleichen Route dazu. Leider!

Tags darauf wurde der Täter ins Gefängnis nach Guadeloupe überführt und dort innerhalb eines Tages von anderen Insassen getötet. Eine furchtbare Geschichte! Was für eine Tragödie für beide Familien!

Kaum hatten wir über dieses furchtbare Geschehen erfahren, wurde eine Frau auf einem Parkplatz vor einem Supermarkt gezielt erschossen. Die 67-Jährige wurde regelrecht hingerichtet. Ein Rollerfahrer hatte auf sie geschossen. Der Täter trug einen Helm und der Roller hatte kein Nummernschild. Es hieß, dass die Ermordung ein Racheakt gewesen sei. Furchtbar!

Auch dieser Fall bewegte die Gemüter und ich stellte mir die Frage, fühle ich mich unsicher dadurch? Nein, fühlte ich mich nicht, denn schon am nächsten Tag war ich auf eben diesem Parkplatz und ging dort einkaufen.

Wieso fühle ich mich hier nicht unsicher? Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich der Meinung bin, dass die Kriminalität, die hier vorherrscht, eine andere ist, als die, die wir derzeit auf dem europäischen Kontinent erleben. Die hiesigen Gewaltverbrechen stehen meist im Zusammenhang mit Drogen-Kriminalität und/oder Gang-Rivalität. Alles Umfelder aus dem man sich tunlichst weiträumig heraushält. Gut, nun kann es sein, dass man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Aber wie hoch ist diese Wahrscheinlichkeit? Es ist wahrscheinlicher, dass man von einem Auto überfahren wird.

Natürlich kann es auch hier etwas passieren, man kann überfallen oder ausgeraubt werden, es kann eingebrochen werden oder das Auto gestohlen werden, aber all diese Dinge, sind in zunehmendem Maße in Großstädten in den USA oder in Europa stärker zu finden als hier. Hier nehmen die Menschen ein Verbrechen in der Nachbarschaft allerdings intensiver wahr, denn die Insel ist klein und überschaubar! Viele Dinge sind hier auf dem „Friendly Island“ wirklich noch möglich (z.B Trampen), die andernorts undenkbar wären. Die Aufklärungsquote ist sehr hoch, die Polizei zeigt Präsenz und viele Sicherheitsfirmen haben ihre Mitarbeiter vor oder in den Geschäften.

Als dann am Donnerstag der Nationalfeiertag Tag der Bastille auf der franz. Seite der Insel begangen wurde, habe ich morgens noch gedacht, in zwei Wochen wird das „Kriegsrecht“ auf der französischen Seite wieder vorbei sein und hoffentlich kommt niemand auf die furchtbare Idee, genau an diesem geschichtsträchtigen Tag ein Attentat zu begehen, um diesen Tag für hohe Aufmerksamkeit zu missbrauchen. Beim Frühstück sprachen wir noch darüber……. Als wir dann abends auf dem Markt beim Feuerwerk in der franz. Hauptstadt standen, kam die Meldung, dass ein Attentat mit einem LKW in Südfrankreich in Nizza begangen worden sei. Viele Tote und Verletzte, Panik in den Straßen während der Feierlichkeiten. Mir lief es kalt den Rücken runter!

Wir fuhren nach Hause und saßen vor den Nachrichten. Viele Menschen hier waren in Sorge, ob sich jemand, den sie kennen, unter den Opfern befinden würde. Große Anspannung. Es fühlte sich wieder so an wie nach dem Attentat in Belgien und in Paris. Diesmal waren es mindestens 70 Tote und die Zahl der Opfer würde sicher noch steigen. Entsetzlich, dachte ich. Wie kann man so etwas tun? Wie furchtbar für all die Menschen, die das miterleben und mitansehen mussten… Unschuldige Menschen beim Feiern…

Und wieder traf es Frankreich. Wir haben den ganzen Abend politisch recherchiert und diskutiert, wir waren sehr aufgewühlt. Das Kriegsrecht in Frankreich wurde verlängert, drei Tage Staatstrauer angesagt und die Nachrichten überschlugen sich. Bilder, die man nur schwer verarbeiten kann, gingen durch die Medien.

Und dann kamen – wieder nur einen Tag später – die Ereignisse in der Türkei…. bürgerkriegsartige Szenen! Ein sogenannter Putschversuch in der Türkei. Internet gesperrt, Flughäfen und Häfen abgeriegelt, Panzer in den Straßen und Bomben und Schüsse auf die Bevölkerung. Gefolgt von Lynchjustiz an Soldaten und Polizisten. Grausame Bilder in den Nachrichten.

Erst sah es nach einem Militärputsch aus, dann nach einem gescheiterten Militärputsch und schließlich sprachen die Ersten von einer „Inszenierung“. Die Putschisten wurden dem Lynchmob überlassen und die Bilder am Tag danach waren noch schlimmer als am Abend davor. Entsetzlich! Man mag überhaupt nicht mehr den Fernseher oder die Nachrichten einschalten.

Zeitgleich blickten wir mit Sorge nach Amerika, wo die Stimmung zwischen Schwarzen und Weißen weiter aufgeheizt wird, in die Ukraine, wo wieder zahlreiche Menschen auf den Straßen Richtung Kiew marschieren und nach Russland, wo sich die Amerikaner bei Putin einfanden.

Die Entscheidung hierher auszuwandern, habe ich besonders in dieser Woche, als absolut richtig empfunden. Selbst wenn auch hier nicht alles nur paradiesisch ist und es auch hier Probleme und Verbrechen gibt, bin ich doch froh, außerhalb des europäischen Kontinents zu sein, denn das, was sich derzeit in Europa zusammenbraut, lässt nichts Gutes erahnen. Und ich befürchte, dass es auch noch lange nicht besser wird.

Diese Woche war hart – ja

Aber sie hat vor allen Dingen gezeigt, dass Frieden etwas sehr Zerbrechliches ist.  Sie hat gezeigt, dass jederzeit und überall – von jetzt auf gleich – Unerwartetes und Erschütterndes geschehen kann. Wir sollten jeden Moment, den wir genießen können, wirklich genießen. Wir sollten unsere Liebsten in den Arm nehmen und sie drücken! Ihnen sagen, dass wir sie lieben und Ruhe bewahren in diesen unruhigen Zeiten.

Ich gebe zu, dass es mir von hier aus 8000 km Entfernung besser gelingt….

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