Warum in die Karibik auswandern?

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Immer wieder lese ich in Foren und in Facebook Gruppen, dass sich immer mehr Menschen gedanklich damit beschäftigen, für eine Weile in ein anderes Land zu ziehen, dann die vielen „Aber“ jedoch dagegenstehen:

  • Was ist, wenn meine Familie nicht mitkommen will?
  • Wovon soll ich leben?
  • Bin ich dann noch abgesichert?

Zunächst einmal spricht Vieles gegen einen radikalen Schritt – und Auswandern ist ein radikaler Schritt. Vieles muss los- und zurückgelassen werden. Vieles kann einfach nicht mitgenommen werden oder möchte zuhause bleiben. Diese schmerzliche Erfahrung macht wohl ein jeder Auswanderer. Der Tag des Abschieds rückt näher und näher und die Unsicherheit über die Entscheidung ist präsent. Die Aufregung und Neugier einerseits und die Besorgnis andererseits…. das schaukelt die Emotionen hin und her.

Immer dann, wenn mich Schuldgefühle oder Unsicherheit schier zu überwältigend schienen, habe ich mir gesagt, „du kannst ja jederzeit wieder zurück“. Es ist längst keine Entscheidung für immer und ewig, sondern nur für solange Du es möchtest. Zurückkommen wäre kein Versagen für mich, sondern wäre dann eben auch eine aktive Entscheidung.

Für mich war es sehr schwer den Schritt zu gehen, denn die Familie ging nicht komplett mit ins Ausland und wir hatten keine Zeit, diesen Schritt wirklich sinnhaft vorzubereiten. Alles musste relativ schnell gehen und war so nicht geplant und doch war ich mir sicher, es geht nur so. Ich habe mich nicht beirren lassen von all den Bedenkenträgern, die es gab. Um mir negative Energie zu ersparen, war der Kreis der Eingeweihten sehr klein. Zu wenig Kraft hätte ich für Erklärungen gehabt. Wir mussten unsere Entscheidung allein treffen. Wir hatten schlussendlich gute Gründe auszuwandern und jeder Grund für sich, war einleuchtend. Es gab bei den Eingeweihten viel Verständnis und bei einigen anderen wohl auch eher nicht….sei es drum! Jeder so wie er muss oder wie er mag!

Die Frage wohin, stellte sich erst später, denn gegen die USA – in denen ich gern geblieben wäre – sprach doch einiges, sodass letztlich Kanada, Südamerika oder Australien in unseren Kopf kamen. Jedes Land hatte so seine Tücken bei den Einwanderungsbestimmungen, dass letztlich Südamerika sinnvoll erschien. Chile oder Uruguay? Oder Panama? Spanisch lernen?

Mein Schatz kam dann auf die Idee auf einer karibischen Insel zu leben, da die Einwanderungsbestimmungen und die Arbeitsgenehmigung kein Problem darstellten und überwiegend Englisch gesprochen wird. Wir fingen an zu recherchieren und waren begeistert! Nach all den Urlauben hier war klar, dass das Leben hier eine Mischung aus europäischen, amerikanischen und karibischen Werten darstellt. Etwas, dass wir als sehr angenehm empfinden und das absolut wichtig für die Entscheidungsfindung war.

Das Leben in der Karibik ist sicher gänzlich anders  als in Europa. Vieles, was wir aus Europa kennen und schätzen, vermisst man hier. Vieles wirkt unaufgeräumt, chaotisch und das Klima ist gewöhnungsbedürftig für einen Mitteleuropäer. Jeder, der hier lebt und den wir gesprochen haben, hat bestätigt, dass die Menschen hier, einfach die Ruhe weghaben: Zunächst einmal scheren sich die Menschen hier nicht so sehr um das, was der Andere vielleicht falsch zu machen scheint. Die Missgunst und der Neid – wie wir ihn aus Deutschland kennen – sind hier nicht so stark verbreitet.

Klar versucht auch hier jeder irgendwie seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und am besten funktioniert das Prinzip „ich kenn´ da jemanden, der jemanden kennt…“. Beziehungen und Netzwerke sind hier einfach Gold wert. Etwas, dass man als Neuling zunächst ausbauen muss. Etwas, dass man zunächst eher nutzen, als bieten kann. Genau da liegt das Problem! Solange man neu und zunächst „unberechenbar“ ist, halten auch hier die Menschen ihre Karten hoch…. erst nach einigen Monaten scheint es, dass man unser Gesicht erkennt, dass sich rumspricht, wie man sich so verhält und dass man von einer Empfehlung durch „Meinungsbildner“ profitieren kann.

Wer hier auf der Insel arbeiten möchte, kann ohne Weiteres Arbeit finden. Fließende Englischkenntnisse sind wichtige Grundvoraussetzung! Nach drei Monaten Angestellten-Job erwirbt man das Recht auf Kranken- und Arbeitslosenversicherung. Sozialversichert ist man sofort, wenn nötig. Eine Selbständigkeit lässt sich leicht anmelden und ähnlich wie bei uns, sind die Versicherungsbeträge für Selbständige einkommensabhängig.

Wir haben eine Firma gegründet und sind zunächst monatlich ca. 4000 km umhergefahren und haben potentielle Kunden angesprochen, unser Konzept vorgestellt. Immer und immer wieder waren wir beharrlich, immer freundlich vor Ort präsent und haben uns gezeigt. Manches Mal waren wir an die sechsmal bei einem Kunden, bevor er mit uns eine Geschäftsbeziehung einging. Manches Mal hat es allein 4 Besuche gedauert, bis wir überhaupt mit dem Entscheider persönlich sprechen konnten.

Auf Emails wird hier in 90% der Fälle überhaupt nicht reagiert. Meistens werden sie nicht einmal gelesen. Eine Homepage hat kaum jemand. Visitenkarten und Flyer sind hier das Marketing Tool Nummer 1 – dichtgefolgt von Printanzeigen in Lokalblättern. Facebook wird viel von Endverbrauchern genutzt – überwiegend auf dem Handy. Vieles läuft noch über Mund-zu-Mund-Empfehlung.

Die Geschäftsbeziehungen hier sind von direktem und Augenkontakt getragen. Das ist auch der Grund dafür, dass wir unser Konzept lieber selber vorstellen, statt einen Handelsvertreter zu beauftragen. Dieser kann zwar auch wichtig sein, denn er/sie kennt viele der ansässigen Geschäftsleute und verfügt über bessere Sprachkenntnisse. Das macht das Verkaufen einfacher, aber zunächst stellen wir selber unsere Idee jeden Tag auf´s Neue vor.

In der Karibik ticken die Uhren einfach langsamer. Schnell schießen die Preußen hier nicht. Im Gegenteil verlangsamt sich der Prozess, sobald der Gegenüber den Eindruck erhält, man sei in Eile…. dann schalten sie auf ganz, ganz langsam. Und dann kann es auch mal Monate dauern…

Da die Insel überwiegend vom Tourismus lebt und mit ca. 6000 Firmen ein breites Angebot an Restaurants, Hotels, Bars, Autoverleihern etc. bietet, macht es Sinn, sich genau anzuschauen, was es bereits gibt und wofür es einen Bedarf gibt. Entweder kann ich etwas anders oder besser, als ein Anbieter, den es bereits gibt oder ich biete etwas Einmaliges oder Neues an. Wer ist meine Zielgruppe? Touristen? Einheimische? Unternehmen? Wer hat einen Mehrwert durch mein Produkt/Dienstleistung?

Viele Auswanderer vermieten an Touristen, oder probieren es mit deutschsprachiger Reisebegleitung, mit Gastronomiejobs oder Dienstleistungen wie Massage, Maniküre, Kochen, Kellnern etc. Einige probieren auch mehrere Sachen gleichzeitig aus, um zu sehen, was sich besser entwickelt. Man kann vorher nie genau absehen, ob eine Idee funktionieren wird, oder nicht. Je mehr Ideen man umsetzt, umso höher die Chancen, dass etwas fruchtet.

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Letztlich bleibt auch das Leben in der Heimat ein Risiko. Wer von uns weiß schon, wie die Welt morgen aussieht und so wie die Dinge sich in Deutschland derzeit entwickeln, ist nur sicher, dass NICHTS sicher ist. Das gilt ebenso für Arbeitsplätze in Deutschland, als auch für die Renten, Sozialversicherungen und Sparguthaben daheim.

Wenn also Bedenkenträger sagen, dass man doch durch Auswandern viel auf´s Spiel setzt, dann kann ich nur sagen, dass in Europa gerade die Politik ALLES auf´s Spiel setzt und das Risiko ist -mir persönlich- grad viel höher, als ein Neuanfang bei Null in einem fremden Land.

Also haben wir uns dafür entschieden, dass wir aus sicherer Distanz, die Dinge in Europa beobachten, denn prägen können wir sie eh nicht mehr… Unser eigenes Schicksal nehmen wir in die Hand und auch wenn es nicht immer einfach ist und ich denke, „hoffentlich schaffen wir das“, bin ich lieber frei in meiner Entscheidung – statt gegängelt und in meinen Rechten immer weiter beschnitten. Das ginge für mich nicht!

Der scheinbar sichere Arbeitsplatz in Deutschland ist längst nicht mehr real und täglich lesen wir, dass Massenentlassungen veranlasst werden. Wir mussten Sparen heißt es dann! Fusionieren oder Outsourcen…. Missmanagement führt dazu, dass Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren, während die Manager weiterhin ihre Boni erhalten und die Politik sich die Diäten erhöht.

Meldungen von Steuererhöhungen und Bankenrettungen sind Nachrichten, die wir ohne zu Zucken täglich lesen. Waffenexporte und Handelsabkommen, von denen Konzerne profitieren und Menschen Leib und Leben lassen müssen, werden sogar noch mit steuerlichen Mitteln beworben… die Politik macht, was sie will, die Europäer werden von Brüssel aus regiert. Ob sie dem Kurs zustimmen oder nicht, spielt letztlich keine Rolle. Bei TTIP sind Hundertausende auf die Straße zum Demonstrieren gegangen …. gebracht hat es: NICHTS!

Bienensterben, Fracking, ungeklärte Krebsfälle, Abgeordnete mit Chrystal Meth, der NSU Untersuchungsausschuss, 9/11, Kriege in Libyen, Afghanistan, Syrien, Flugzeugabstürze, die Terrorattentate in Paris und Belgien, Hundertausende von Flüchtlingen und vieles mehr werden mit einer „Basta-Politik“ regiert, die keine Fragen, keine Widersprüche duldet.

Dann ist das nicht mehr mein Land“ hat die Kanzlerin vor einigen Wochen gesagt und gedacht habe ich, dass ich das schon lange denke…. schade um das Deutschland, in dem ich groß geworden bin. Es war schön!

 

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8 Gedanken zu “Warum in die Karibik auswandern?

  1. Hallo Fee,
    ich sehe, Du moechtest auch deine Erfahrungen weitergeben und bietest jetzt ein Seminar fuer interessierte Auswanderer an. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, wie ich aus aehnlichen Angeboten weiss. Ich wuensche Dir viel Erfolg mit deiner Variante.
    Kontaktiere mich doch einmal, da ich Anknuepfungspunkte zwischen Euch und mir sehe. Ich bin ab Oktober wieder auf der Insel.
    Bye, Barbara

    Liken

  2. Haha…ich kenne diese Fragen nur zu gut! Die wenigsten Menschen haben sich je Gedanken zu dem Thema gemacht. Vielleicht so als Tagtraum, aber niemals konkret.
    In meinem Blog,(www.ruhestandthailand.de) habe ich mich auf Rentner, die nach Thailand auswandern wollen spezialisiert. Schon spannend zu sehen, wie Menschen mit der Option „ein neues Leben beginnen“ umgehen!
    Ich wünsche DIr viel Glück und Erfolg…und ein spannendes Leben, aber das wirst du ja automatisch und for free haben ;D

    Gefällt 1 Person

    1. Herzliche Grüße nach Thailand und ja, wir haben ein buntes Leben hier, aber das hatten wir in Deutschland auch. Wir versuchen die Zeit zu geniessen und auch wenn wir viel arbeiten, der Blick auf das Karibische Meer, die Sonnenuntergänge und die positive Lebenseinstellung der Menschen hier, geben uns jeden Tag wieder gute Gründe, das Leben auf dieser Insel zu feiern.

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