Die innere Grenze ist endlich wieder offen!

Gestern, am 16. September 2020 sind viele einheimische Bewohner der Insel gemeinsam aufgestanden und haben gegen eine erneute Verlängerung der Grenzkontrollen der französischen Seite demonstriert.

Seit Anfang März diesen Jahres leben die Menschen hier getrennt von einander, ein untragbarer und unzumutbarer Zustand, der einzig vom Staate Frankreich so angeordnet wurde. Ursprünglicher Hintergrund dieser Anordnung – die Bewegungsfreiheit der Insulaner so massiv einzuschränken- war, dass sich ggf. das Covid-19 Virus nicht ausbreiten sollte.

Selbst die Regierungen hier vor Ort waren jedoch gegen die erneute Verlängerung, aber da der französische Teil auch zur EU gehört, wollten die französischen Regierungsvertreter die inneren Grenzen weiter geschlossen halten, da auf dem holländischen Teil inzwischen amerikanische Urlauber mit negativen PCR-Test einreisen dürfen. Zum besseren Verständnis sei erwähnt, dass die Grenzbestimmungen von den Holländern und den Franzosen und nicht von den hiesigen Regierungen kontrolliert werden.

Die Auswirkungen dieser Entscheidung waren jedoch immens und machten das Leben auf der Insel noch schwieriger, in einer Zeit, in der der Tourismus weltweit vollkommen am Boden liegt und derzeit so gut wie keine Urlauber und somit keinerlei Einnahmen auf diese Insel kommen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der weltweiten Situation allein sind schon schwierig genug, sodass der Ruf nach einheitlichen Hygiene- und Reisebeschränkungen hier auf der Insel immer lauter wurde.

Social Distancing auf einer karibischen Demo

Erschwerend kommt hinzu, dass es seit 1648 die „Treaty of Concordia“ gibt, die eindeutig regelt, dass alle geborenen St. Maartener und St. Martiner sich frei über die Insel bewegen dürfen, auf beiden Seiten leben und arbeiten dürfen. Diese seit 372 Jahren geltende Regelung wurde somit ausser Kraft gesetzt.

Seit Monaten mussten individuelle Ausnahmeanträge gestellt werden, die zum Teil abgelehnt wurden, oder so lange in der Bearbeitung in Anspruch nahmen, dass der Grund des Antrages sich erledigt hatte. Auch mit einer Bescheinigung kam es immer mal wieder zu Abweisungen beim Wiedereintritt auf die französische Seite, was den Groll der Bevölkerung anschwellen liess.

Selbst Bootsausflüge durften nicht mehr um die ganze Insel stattfinden, da auch im Gewässer die Grenze hochgehalten wurde. Etwas, dass es hier so auch noch nie gegeben hatte!

Das Krankenhaus auf der französischen Seite war durch die Trennung für Menschen aus dem holländischen Teil nicht mehr erreichbar, ebenso nicht die französischen Ärzte, Apotheken und Labore.

Familien wurden mehr als 7 Monate von einander getrennt, Schulen, Kindergärten waren unerreichbar, Geschäftsleute konnten ihren Laden nicht öffnen, da sie diesen nicht erreichen konnten, Urlauber konnten nur die jeweils eine Hälfte der Insel besuchen usw.

Das Faß zum Überlaufen brachte dann, dass die französischen Gendarmen die französischen Kinder, die auf dem holländischen Teil der Insel wohnen, an der Grenze morgens abgewiesen haben. Die Eltern haben sich dann an der Grenze morgens laut beschwert, da auch unter ihnen viele französische Staatsbürger sind. Man ließ sie nicht auf den französischen Teil, während Frankreich auf dem Festland die Grenzen längst wieder geöffnet hat.

Daraufhin haben die Einheimischen sich jeden Morgen mit ihren Handys and die Grenze gestellt und via Live-Streams von diesen untragbaren Zuständen berichtet. Sie beklagten, dass die französische Regierung hier falsche Entscheidungen gegen die Bewohner der Insel treffe, während über Guadeloupe und Martinique die ganze Zeit Urlauber einreisen dürfen, dürfte die eigene Bevölkerung nicht einmal auf dem französischen Teil zur Schule gehen.

Sie beriefen sich immer wieder auf die „Treaty of Concordia“ , die eben aus diesem Grunde geschlossen wurde, nämlich das gemeinsame Leben zweier Nationen auf einer kleinen Insel gemeinsam zu regeln und nicht jeder für sich.

Nach viel Hin und Her wurden die Kinder dann von ihren Eltern teilweise über die grüne Grenze in ihre Schulen geschmuggelt. Die Regierung „erlaubte“ daraufhin, dass man einen schriftlichen Antrag stellen möge, um die in den französischen Schulen eingeschriebenen Kinder beschulen zu dürfen. Die Art und Weise wie diese Erlaubnis gegeben wurde, hat dann dazu geführt, dass sich die Insulaner derartig bevormundet vorkamen, dass sie um die Öffnung der Grenzen mehrfach laut und deutlich per öffentlicher Schreiben gebeten haben. Die französische Regierung blieb hart, sodaß die Bewohner sich gezwungen sahen, zu einer Demonstration aufzurufen und gleich dabei ankündigten, dass sie bereit seien, notfalls ihr Recht per Gewalt einzufordern.

Sie empfinden die Maßnahmen, die die Regierung zur Bekämpfung des Virus ergreift, als nicht gerechtfertigt und nicht zielführend, ja sogar nicht nachvollziehbar. Vieles wurde hingenommen, auch aus Angst davor, sich anzustecken, auch sie sind bereit Hygienemaßnahmen zu akzeptieren, jedoch nicht länger die Trennung der gesamten Insel-Bevölkerung.

Die Demonstration verlief absolut friedlich, man marschierte gemeinsam mit beiden örtlichen Regierungsmitgliedern mit der „Unity-Flag“ von der jeweiligen Seite der Insel aus gen Grenze, dort traf man sich und es wurde gesungen, gehupt und gerufen: One Island – One People

Links President Gibbs und rechts Prime Minister Jacobs

Trotz 31 Grad und strahlendem Sonnenschein harrten die Demonstranten solange an der Grenze aus, bis es zu einer friedlichen Einigung mit der französischen Regierung kam und noch am gestrigen Tage, bauten die Gendarmen ihre Grenzzelte ab und Madame Prefecture entschied dass die Grenze ab sofort auf sei und nicht erst im Oktober.

Somit können ab sofort alle Bewohner und Urlauber die ganze Insel erreichen und das wird allgemein als Erfolg bewertet. Auch und gerade bei den Urlaubern!


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