Sommerferien!

Die Sommerferien haben begonnen und die Schüler und Lehrer sind froh, dass sie jetzt zwei Monate frei haben. In den letzten Wochen waren Prüfungen Thema und man musste sich bereits jetzt für das neue Schuljahr einschreiben und wie jedes Jahr alle Unterlagen neu beibringen und 5 Passbilder abgeben. Bücherlisten empfangen und Bücher und Schulbedarf bestellen und kaufen. Den Schulbus und die Kantine anmelden. Da kommen schnell einige hundert Euro zusammen.

Das Schuljahr war anders als alle anderen zuvor, durch den Hurricane wurden einige Schulen zerstört, Familien haben die Insel verlassen und kamen dann doch wieder, sodaß die Klassenstärken ständig variierten. Lehrer fehlten und kamen dann doch wieder. Viel Unterricht musste aus Gründen von Lehrermangel oder Zerstörung der Gebäude ausfallen. Der Schulbus wechselte oft, denn die Routen wurden laufend neu organisiert. Es fehlte  an Schulmaterialien, an Computern und Sportanlagen, die genutzt werden konnten. ABER die Lehrer und die Schüler haben immer das Beste aus der Situation gemacht.

Die Schulen, die zerstört wurden, kamen nun nachmittags in andere Schulen und nutzten im Anschluß an deren Unterricht die Räumlichkeiten. Die französische Regierung hat Druck auf die Lehrer ausgeübt, auf die Insel zurück zu kommen, wenn sie ihren Job nicht verlieren wollen. Die privat Schulen auf der holländischen Seite haben auch viele Schüler verloren, dafür kamen einige Kinder der Familien hinzu, die jetzt neu hierher kamen, wie z.B. eine große Gruppe der holländischen Militärpolizisten, die neu hier stationiert wurden. Zum Ende des Schuljahres kamen dann auch einige Familien zurück, deren Kinder nach Kanada oder sonst wo zu den Großeltern für ein Schuljahr geschickt wurden, als es nach Irma hier so aussah, als würde Unterricht so schnell nicht möglich sein.

Die Lehrer sind alle total erschöpft, denn sie haben die Kinder in den letzten Monaten aufgefangen und normalen Unterricht zunächst gar nicht machen können, galt es doch das Erlebte zu verarbeiten. Normalität stellte sich zum Ende des Schuljahres ein, aber die Monate direkt nach dem Sturm waren von Unsicherheiten, Mangel und Chaos gekennzeichnet und sind weder an den Kindern noch an den Lehrern spurlos vorbei gegangen. Wir ziehen unseren Hut vor dem, was die Lehrer und die Kids her geleistet haben im Wiederaufbau!

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Abschlußfeier der Omer Arrondell School in French Quarter (c) The Daily Herald

Doch nun ist erstmal Ruhe und die meisten nutzen diese Zeit im Jahr, um die Verwandtschaft zu besuchen, denn in der High Season von Oktober bis Mai geht das nicht. Da muss jeder hier Geld verdienen, zumal uns ja 1 Jahr Einnahmen durch den Hurricane fehlen. Alle fiebern und arbeiten jetzt auf den kommenden Saisonbeginn hin…

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Restaurant „Le Cottage“ im Wiederaufbau in Grand Case

Einige reparieren jetzt erst ihre Dächer und Häuser, denn die neue Hurricane Season hat bereits begonnen und jede wettertechnische Entwicklung auf dem Atlantik wird dieses Jahr mit Argusaugen beobachtet. Für uns wäre diesen Sommer jede Art von Hurricane suboptimal,  denn weder sind wir mit dem Wiederaufbau soweit, noch können wir uns Schlechtwetterpausen erlauben. Die Zeit drängt und jeder will fertig werden!

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Casino Royal im Wiederaufbau (c) shepland

Denen, die sich nicht selber helfen können, wird durch Freiwilligen Aktionen geholfen. Wenn jeder schnell mal mit anfasst, wird es schnell morgens alles in einen Müllcontainer entsorgt, der dann verschifft wird. Einer allein steht da oft wie gelähmt vor, aber wenn man sich gegenseitig hilft, ist es schneller gemacht.

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Aktion der Solidarité Saint Martin Moselle

Viele französische Familien, die wir kennen, fliegen in diesen Tagen nach Europa. Man muss die Lieben endlich mal drücken, oder man will einfach im September nicht wieder auf der Insel sein, hat zu viel Angst, dass wieder etwas passieren könnte, oder braucht einfach mal ein anderes Setting.

Einige unserer amerikanischen Freunde haben ihren Besuch jetzt im Juli angekündigt, denn sie wollen mit ihrem „Jetzt-erst-recht“ Urlaub hier die Ökonomie ankurbeln und wissen genau, dass wir hier jeden Urlauber im Moment mit offenen Armen empfangen, weil wir uns so am besten wieder schnell aufrichten können. Und es ist möglich, hier tollen Urlaub zu machen!

Letzte Woche hatten wir die ersten Gäste hier, die gefragt haben, ob wir hier überhaupt einen Hurricane hatten, denn im ersten Moment konnten sie nicht ausmachen, ob es vielleicht auch vor #Irma schon so hier ausgesehen hat. Nein, hat es nicht, aber ich war so happy, dass es nicht wie zuvor hieß, daß es hier ja aussieht wie nach einem Krieg.

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Street Art auf der Ruine des Beach Club „Captain Frenchy“ in Grand Case

Wir fokussieren uns ja sowieso immer auf jede Art von Verbesserung, auf Fortschritt und auf Wiederaufbau und blenden die Zerstörung so gut es geht aus. Mit jedem Tag, der vergeht, wird ein Haus renoviert und bei 33.000 Schadensfällen (allein auf der französischen Seite) kann man sich vorstellen, dass das alles dauern wird, bis es wieder alles chic ist. Wir finden aber, dass die Insel schon wieder richtig tolle Urlaubsmöglichkeiten bietet und man sich hier wirklich vom Feinsten erholen kann. Hotels, Restaurants, Casino und viele Touranbieter sind offen und bieten tolle Möglichkeiten an.

Eine deutsche Familie, die mit uns letzte Woche auf Tour war, hat wunderschöne Bilder gemacht und auch wenn es in einigen Ecken noch zerklüftet aussieht, merkt man in anderen Ecken wiederum gar nichts davon. Alles in allem herrscht 10 Monate nach dem verherrenden Hurricane Irma auf der Insel so etwa wie ein „back-to-normal“ Modus und viele arbeiten sehr hart, um ihr Business nun besser und schöner als je zu vor präsentieren zu können. Überall wird gesägt und geklopft! Baustellen überall und Baufahrzeuge haben den Mülltransportern nun den Rang im Straßenbild abgelaufen.

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Pier in Grand Case

Für Einige war der Sturm sogar ein Gewinn, konnten sie doch z.B. anderen günstig ihr Haus, Boot, Auto oder Business abkaufen, weil diese einfach nur weg von der Insel wollten, oder weil sie einfach keine finanziellen Mittel für einen Wiederaufbau hatten. Viele sind einfach so weg von der Insel und gar nicht zurück gekommen. Andere sind sofort hierher gekommen, um zu helfen und sind geblieben. Einige witterten eine Chance und sind mit ihrem Truck und Werkzeug hierher und haben jetzt hier sogar die Leitung einer großen Hotelanlage übernommen, weil sie eben zur rechten Zeit am rechten Ort waren. Das war ein Wagnis, dass manche eingegangen sind, dass sich aber oft ausgezahlt hat.

Die Insel und ihre Bewohner leben mit einem stetigen Zuzug und Wegzug. Oftmals hört man jemanden sagen, der Laden X, ist da, wo früher Y war. Manchmal sind die Wechsel so schnell, dass man sich den neuen Namen gar nicht merken konnte. Die Insel zieht viele Schatzgräber an und viele nutzen auch die Situation einfach aus und erzählen wilde Geschichten, warum sie hierher gezogen sind und man kann nicht sicher sein, ob das auch immer stimmt. Überhaupt muss man hier meist Abstriche machen und vorsichtig sein damit, wem man vertraut und wem besser nicht. Oftmals sind diejenigen die sich als Opfer darstellen, nicht so harmlos wie sie tun. Obacht also mit wem man hier Geschäfte macht!

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Strand in der Bucht Grand Case

Als Auswanderer kann es hier anfangs erstmal schwierig sein, denn wer hier neu auf die Insel kommt, der muss sich das Vertrauen der Gesellschaft zunächst erstmal regelrecht verdienen. Von Haus aus sind zunächst alle sehr misstrauisch! Wer hier nicht jemanden kennt, der jemanden kennt, der kommt erstmal nicht so leicht zurecht oder muss geldliche Reserven haben, um die erste Zeit zu überstehen. Wer es dann durchhält und beharrlich und stetig weitermacht, wird am Ende oft für die Ausdauer belohnt, aber von nix kommt halt nix. (blöder Spruch, aber ist halt wahr)

Es gibt viele tolle Ideen für die Insel und sie bietet sicher viel Potenzial im Moment, da alles im Wiederaufbau ist, aber die bürokratischen Anforderungen auf beiden Seiten der Insel sind nicht zu unterschätzen. Um eine Firma hier zu gründen, braucht es minimum 2 Monate, wenn nicht ein viertel Jahr. Und in der Zeit darf man noch gar nicht anfangen, Geld zu verdienen. Und um hier angestellt zu arbeiten, müssen wir Europäer auf der französischen Seite bleiben und dort sind fliessend Französisch und Englisch DAS Einstellungskriterium. Wer kein französisch und englisch fliessend spricht, wird es schwer haben, eine gut bezahlte Stelle zu finden.

Zumal im Moment der hiesigen Bevölkerung der Vorrang gegeben wird, denn noch immer gibt es seit dem Hurricane viele Menschen, die ihren bezahlten Job verloren haben. Solange die Hotel nicht alle wieder offen sind, sind die Zimmermädchen, Kellner und Hausmeister ohne Bezahlung.

Trotz all dieser Widrigkeiten ist und bleibt das Leben hier traumhaft. Man ist so frei hier und die Menschen so freundlich, das Setting paradiesisch und überschaubar. Wir sind jeden Tag so froh, dass wir hier leben und wir sind stolz darauf, Teil dieser Gesellschaft hier zu sein. Nach Irma mehr denn je!

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Blick vom Fort in Marigot

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