Ende der Hurricane Saison 2017

Heute ist die Hurricane Saison 2017 vorbei! Es war eine sehr aktive und schädigende Saison: 17 Stürme sind über den Atlantik gezogen. Die aktivste Saison mit 370 Milliarden USD an Sachschäden. Es sind jetzt auf den Tag genau 3 Monate, die wir hier unter schwierigen Bedingungen leben. Noch immer haben wir selber kein Internet, kein Telefon oder TV, kein warmes Wasser und ein nur notdürftig selbst repariertes Haus. Es gibt einerseits weiterhin viel Fortschritt und doch gibt es natürlich auch immer wieder Rückschläge. Manchmal hat man das Gefühl, dass man geht 2 Schritte vorangeht und gleich wieder einen zurück. Aber die grobe Richtung nach vorne stimmt! 😉

Unser Vermieter hat sich noch immer nicht einmal blicken lassen und von einer Nachbarin, die mal bei ihr nachfragen ging, wann wir denn mit einer Sichtung und wann mit Reparaturen rechnen könnten, haben wir erfahren, dass es lapidar hieß: „Wer sich beklagt, kann ja ausziehen. Gibt genug andere, die liebend gern einziehen wollen und bereit sind, volle Miete zu zahlen, Hauptsache, sie haben ein Dach über dem Kopf.“ Und nun will sie das 3. Mal nach Irma volle Miete haben, obwohl sie noch nicht einmal hier war, um sich die Schäden nur anzugucken! Wir haben eine seitenlange Mängelliste, weder warmes Wasser, noch können wir Türen oder Fenster schließen, alle Einbauten sind verzogen, geschweige, dass wir den Pool nutzen könnten…

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Das ist kein Einzelschicksal hier, das geht viele Familien, sogar mit kleinen Kindern, so. Einige bekommen auch die Eigenbedarf-Kündigung ins Haus und müssen nun sehen, wo sie ab bleiben. Das Angebot an Wohnraum ist halt einfach kleiner als die Nachfrage und das stärkt die Position der Vermieter.

Wir kennen mehrere andere Familien, die nun unter Druck etwas finden zu müssen, suchen und sich auch mit stark beschädigtem Wohnraum genügen würden, aber es ist  jetzt grad verdammt schwer etwas zu finden, in das man gern auch länger einziehen würde. Man zieht dann notgedrungen ein mit dem vollen Wissen, weitersuchen und nochmal umziehen zu müssen.

Diese Probleme sind allerdings noch wesentlich geringfügiger, als die derjenigen, die alles verloren haben und bei Null anfangen müssen. Sie wohnen bei Freunden, Bekannten oder in Notunterkünften. Ohne Arbeit und ohne Aussicht auf Regulierung durch eine Versicherung müssen sie jeden Tag neu annehmen wie er ist und ihn bestehen.

Bis jetzt haben 10.000 Menschen auf der franz. Seite, die Insel verlassen. Ob sie wiederkommen werden, ist völlig ungewiss, d.h. rund 1/5 der Einwohner sind nicht mehr hier. Für die holländische Seite liegen mir keine vergleichbaren Zahlen vor, aber ich denke, es wird ähnlich sein.

photocredit RTGH Photography

Nach wie vor haben wir selber kein Internet. Wir haben nur limitiertes Datenvolumen über das Handy und das Festnetz und WLAN zuhause funktionieren noch gar nicht. Wie lange es dauern wird, kann uns niemand sagen. Es macht die Kommunikation und unsere Arbeit kompliziert und umständlich, aber immerhin gibt es in Restaurants und Cafes hier und da zumindest zeitweise Internet.

Zuhause haben wir versucht, alle Spuren von der Salzwasserdusche zu beseitigen, aber der Rost ist gnadenlos. Alles, aber wirklich ALLES rostet jetzt. Die Gardinenstangen, die Badezimmer-Armaturen, die Türbeschläge, jeder Nagel, jeder Metallgriff, jedes Scharnier…. Büromaterial, Besteck, Wasserhähne, Lampen, jedes Möbelstück oder Gerät, was die Nässe zwar überstanden hat, rostet nun.

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Das Gemisch aus pflanzlichen Teilen, Salzwasser und Regen, das sich wie mit einem Hochdruckreiniger durch die Türen und Fenster, durch das Dach und jede Ritze ins Haus gedrückt hatte, hat wirklich jede Ecke gefunden und jeden Spalt. Gnadenlos wirkt es jetzt und frisst sich jetzt überall rein.

Alles, was jetzt noch kaputtgeht, schmerzt natürlich, denn mit jedem Schaden wird die Liste länger. Teilweise muss die Versicherung des Vermieters einspringen, teils unsere, aber zuvor müssen die Experten, die meist aus Frankreich hierherkommen, einen Schaden nach dem anderen aufnehmen. Es sollen 33.000 Fälle allein auf der französischen Seite sein. Es wird gerungen und gestritten – reguliert bisher in den wenigsten Fällen.

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Von Einigen, die schon 1995 hier lebten und Hurricane Louis mitgemacht haben, wissen wir, dass nach dem Schaden, viele Versicherungen pleite gingen, den Versicherungsnehmern gekündigt haben, oder die Beiträge drastisch angehoben haben. Die Häuser in der ersten Reihe in Grand Case zum Beispiel wurden nach Louis nicht mehr versichert. Dieses Mal wurden sogar die Häuser in der zweiten Reihe vom Wasser durchspült und vom Sturm zerlegt.

Es wird einige Jahre dauern, bis jeder Schaden behoben sein wird, bzw. manche Gebäude werden einfach so zurückbleiben, weil der Eigentümer entweder kein Geld oder kein Interesse hat, es zu renovieren. Von Hurricane Louis zeugen auch heute noch einige Ruinen auf der Insel.

Die Geschäfte, die jetzt wieder aufmachen, weil sie entweder nicht so stark beschädigt oder schnell wieder neu aufgebaut haben, bemühen sich jetzt wirklich um jeden Kunden. Die Aufmerksamkeit, die sie ihren Gästen schenken, ist immens. Wer sich beschwert, bekommt sofort eine Aufmerksamkeit des Hauses und hört immer die Bitte: „Besuchen Sie uns bald wieder!“ Jetzt ist die beste Zeit, um hier Kunde zu sein!

Touristen, die jetzt hier zum Beispiel in Simpson Bay Urlaub machen und nicht mit dem Leihwagen um die ganze Insel fahren, bekommen kaum etwas von der Zerstörung mit. Die paar Hotel, Airbnb- bzw. VRBO-Gastgeber, die Zimmer vermieten können, sind sehr gut gebucht und die Restaurants bieten bereits wieder einige Auswahl an tollen Gerichten. Einem herrlichen Strandurlaub steht somit nichts im Wege.

Wer dann mal die Kinnlade fallen lassen will, der mietet sich ein Auto und fährt die Strecke Maho – Nettle Bay – Marigot – Grand Case – Anse Marcel – Orient Bay. Dort sind die Straßen frei und auch einige Geschäfte eröffnet, aber es zeugen vor allem die Gebäude am Rande der Straßen und besonders die Häuser in Meeresnähe, von der unglaublichen Gewalt, die der Hurricane IRMA hatte.

Philipsburg ist jetzt soweit, dass Kreuzfahrtschiffe wieder zu uns kommen können und werden von allen sehnsüchtig erwartet. Alle renovieren jetzt und wollen sich im besten Licht zeigen. Wir brauchen jetzt unbedingt positive Rückmeldungen von Touristen, damit noch mehr Urlauber kommen und sich ein eigenes Bild machen.

Wer allerdings 5* Sterne High End sucht, der wartet besser noch, bis wir das wieder bieten können. Wer aber den unglaublichen Zusammenhalt, den Fortschritt und die wirklich unglaublichen Geschichten der Bewohner der Insel erleben und hören möchte, für den ist 2018 die beste Zeit, sich die Insel mal anzusehen. Es ist eine unbeschreiblich offene und positive Stimmung hier und man kommt noch einfacher mit Menschen ins Gespräch als vor dem Hurricane. Und das Meer und die Strände sind ja einfach immer traumhaft…

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