Lost Places auf St. Martin

Lost Places Saint-Martin: Die Wahrheit hinter den Ruinen der Insel

Wir kennen das. Kaum ist jemand zum ersten Mal auf der Karibikinsel Saint-Martin, möchte er sie sehen: die verlassenen Hotels, die sturmzerstörten Resorts, die Ruinen am Strand. Unsere Hamburger Bekannte sucht bei jedem Besuch jede einzelne Ruine auf der Insel auf – und findet das alles großartig spannend.

Wir haben vor einiger Zeit bereits einen Bericht über das zerstörte Hotel „La Belle Creole“ geschrieben. Eine Legende der Einheimischen besagt, dass das Gelände ein ehemaliger Friedhof der vertriebenen Arawak Indianer ist und deswegen das Hotel mit einem Fluch belegt ist, weil man hier die Ruhe der Toten gestört hat. Ein Wiederaufbauch ist daher unwahrscheinlich.

👉 Hier nachzulesen

Wir freuen uns dagegen über etwas anderes: über jedes „Permis Construire“-Schild, das an einem Bauzaun hängt. Wer die Insel nicht so gut kennt: Das ist die Baugenehmigung nach französischem Recht, die für einige Wochen vor Baubeginn öffentlich auf dem Grundstück ausgehängt werden muss.

Für uns bedeutet jedes dieser Schilder: Jemand hat den Mut gefunden, neu anzufangen. Jemand hat endlich die Genehmigung bekommen und baut wieder auf. Jemand hat endlich das Geld für den Wiederaufbau. Diese Schilder sind für uns Zeichen dafür, dass die Insel lebt.


September 2017: Was Hurrikan Irma wirklich bedeutet hat

Wer nicht dabei war, kann es sich kaum vorstellen.

In der Nacht zum 6. September 2017 traf Hurrikan Irma als einer der stärksten atlantischen Hurrikane aller Zeiten auf Saint-Martin/Sint Maarten. Windgeschwindigkeiten von über 300 km/h. In wenigen Stunden wurde ein erheblicher Teil der Insel zerstört. Wir haben diesen Sturm erlebt und überlebt.

Mehr zum Thema Irma findet ihr 👉 hier

Was danach blieb: keine romantischen Ruinen. Keine atmosphärischen Kulissen. Sondern zerstörte Häuser, in denen Menschen zum Teil ohne Dach gelebt hatten. Zerstörte Betriebe, in denen Menschen gearbeitet hatten. Zerstörte Hotels, in denen Gäste hätten ankommen sollen.

Das Naturist Resort am Orient Bay Beach – jahrzehntelang eine Institution auf der französischen Seite – existiert seitdem nicht mehr. Jetzt endlich wurde der Wiederaufbau genehmigt und es soll in 2028 keine der Ruinen mehr geben und bis dahin ein neues Hotel entstehen. Der erste Spatenstich wurde im Juni 2026 getan.

Das Hotel Captain Olivier, direkt in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, ebenso. Wir kennen Menschen, die dort gearbeitet haben. Wir kennen die Familien, die dadurch ihr Zuhause verloren haben. Wir kennen Unternehmer, die ihre Existenz von einem Tag auf den anderen verloren haben.

Um nur ein paar Beispiele zu nennen, denn hinter jeder Ruine steckt ein Schicksal, eine Geschichte, ein Kampf. Manche Eigentümer haben neu angefangen. Manche haben die Insel verlassen. Manche haben nie wieder aufgebaut.

Das sind für uns Lost Places. Verlorene Orte. Verlorene Träume, harte Zeiten, Lebensgeschichten, die hoffentlich noch nicht zu Ende erzählt sind.


Warum wir keine Lost-Places-Touren anbieten

Wir werden manchmal gefragt, ob wir solche Touren nicht anbieten könnten. Die Antwort ist nein – und das hat nichts mit mangelndem Abenteuergeist zu tun.

Es hat für uns persönlich etwas von „Leichenfledderei“. Jemandes zerstörtes Zuhause, jemandes vernichtete Existenz als Fotokulisse zu benutzen – das ist nicht unser Verständnis von Respekt. Weder gegenüber den Menschen, denen diese Gebäude gehört haben, noch gegenüber denen, die noch immer auf dem Weg zurück sind. Für uns fühlt sich das übergriffig an und genau genommen ist es ja auch Hausfriedensbruch, denn ohne das Einverständnis des Eigentümers, hat man eigentlich nichts in einer Ruine zu suchen.

Man weiß ausserdem auch nie, wen oder was man in verlassenen Gebäuden antrifft. Es sind verlassene Gebäude – aber verlassen bedeutet nicht unbedingt leer. Wir wissen von Leuten, die in solche Situationen hinein geraten sind und Dinge gesehen haben, die sie nicht sehen wollten – und die, die sie dort angetroffen haben, auch lieber unter sich gelassen hätten. In unbewohnten Ruinen finden Dinge statt, die im Verborgenen bleiben wollen. Reinzuplatzen kann unangenehm werden – für alle Beteiligten.

Jedes Foto, das öffentlich geteilt wird, erzählt eine Geschichte über diese Insel. Und leider ist es dann aus unserer Sicht die falsche. Wer Bilder zerstörter Gebäude postet, hinterlässt im Netz den Eindruck: Saint-Martin ist noch immer ein Trümmerfeld. Das stimmt aber nicht. Und es schadet – dem Tourismus, den Menschen, die hier leben, und dem Wiederaufbau, der längst in vollem Gange ist. Deswegen werden dies die einzigen Bilder sein, die wir auf unserem Blog zeigen.


Was stattdessen wirklich passiert ist: Die Insel, die sich neu erfunden hat

Sieben Jahre nach Irma ist Saint-Martin/Sint Maarten eine andere Insel – und zwar in vielerlei Hinsicht auch eine bessere.

Die Zahlen vom SMART 2026 Tourismus-Gipfel sprechen eine klare Sprache: 18 % mehr Ankünfte im Zeitraum April 2025 bis März 2026, 23 % mehr Fluganreisen im ersten Quartal 2026, über 800.000 Übernachtungsgäste in 2025. Die Insel ist nicht nur zurück – sie baut Momentum auf wie nie zuvor.

Der Princess Juliana International Airport, der bei Irma schwer beschädigt wurde, ist modernisiert und ausgebaut worden. Hotels wurden nicht einfach wiederhergestellt, sondern neu gedacht. Die Gastronomie in Grand Case und Orient Bay ist lebendiger denn je. Neue Flugverbindungen aus Europa machen die Insel erreichbarer.

Und überall: „Permis Construire“-Schilder. Für uns das schönste Zeichen, das diese Insel zeigen kann.


Einige der hiesigen Künstler, wie Jimmy Sheik und Mash n Art zum Beispiel, haben die Ruinen mit Farbe neues Leben eingehaucht. Diese Fotos werden bleiben, auch wenn die Ruinen abgerissen werden und an die Resilienz der Bewohner erinnern.

Die ehrliche Antwort auf die Neugier

Wir verstehen den Reiz. Wirklich. Lost Places haben eine eigene Ästhetik, und das Verbotene, Verlassene, Vergessene zieht Menschen an – das ist nachvollziehbar. Hier kann man die Wucht und Kraft des Sturmes erahnen.

Deswegen wollen wir mit diesem Bericht nicht moralisieren, sondern informieren: über das, was hinter diesen Ruinen steckt. Über die Geschichten, die in ihnen schlummern. Über den Respekt, den wir ihnen schulden.

Wenn ihr die Insel wirklich verstehen wollt – nicht als Kulisse, sondern als Ort, an dem Menschen leben, arbeiten, aufbauen und füreinander einstehen – dann zeigen wir euch das gerne. Auf unserer deutschsprachigen Inseltour zeigen wir euch ein Saint-Martin, das lebt. Die Strände, die Leguane, die Küche, die Menschen, die Geschichten.

Die Geschichten der Ruinen kennen wir. Besser als viele andere. Aber die Geschichte, die wir euch erzählen wollen, ist die einer Insel, die sich aufgerappelt hat. Eine Insel, deren Bewohner, genau wie wir selbst, wie Phoenix aus der Asche aufgestanden sind. Und darauf sind wir auch ein bisschen stolz.


Wir sind Angie & Thommy – deutsche Auswanderer, die Saint-Martin seit über zehn Jahren ihr Zuhause nennen. Wir haben Irma erlebt, den Wiederaufbau begleitet und sind geblieben. Zauber der Karibik ist unsere deutschsprachige Inseltour für Kreuzfahrtgäste. Folgt uns auf Facebook und Instagram.

👉 Deutschsprachige Inseltouren: https://www.zauberderkaribik.com/inseltour

👉 Unsere Ferienwohnung: https://zauberderkaribik.com/2023/10/29/karibikurlaub-in-villa-magic-saint-martin/

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