Warum unsere Insel gerade rosa leuchtet – und was dahintersteckt
Falls ihr mich noch nicht kennt – ich bin die Angie, und ich bin vor über 10 Jahren mit meinem Mann Thomas von Hamburg in die Karibik ausgewandert. Seitdem zeigen wir mit Zauber der Karibik deutschsprachigen Urlaubern „unsere“ Insel St. Martin / St. Maarten. Und heute nehmen wir euch mit zu einem Ort, an dem ihr auf den ersten Blick vielleicht gar nicht anhalten würdet – der sich aber als eine der spannendsten Ecken der ganzen Insel entpuppt: unsere Salzseen.

Moment mal – die sind ja rosa!
Fangen wir mit dem an, was gerade wirklich verrückt aussieht: Seit ein paar Tagen leuchten Teile unserer Salzseen und Mangroven in einem knalligen Fuchsia-Pink. Besonders schön zu sehen ist das rund um die Salines d’Orient und den Étang de Griselle. Wer da vorbeifährt, reibt sich erstmal die Augen.
Der Grund ist kein Farbunfall und keine Verschmutzung, sondern pure Natur: Wenn es lange nicht regnet, verdunstet das Wasser, und der Salzgehalt steigt immer weiter. In diesem extrem salzigen Wasser fühlen sich winzige Mikroorganismen richtig wohl – vor allem eine Grünalge namens Dunaliella salina sowie salzliebende Bakterien. Klingt paradox, aber die eigentlich grüne Alge produziert bei viel Salz und praller Sonne zum Selbstschutz jede Menge roten Farbstoff (dasselbe Beta-Carotin, das auch Karotten orange macht). Das Ergebnis: ein See in Pink.

Und keine Sorge – das ist völlig reversibel. Sobald der ersehnte Regen kommt, verschwindet die Farbe wieder. Ein kleines Naturschauspiel auf Zeit, das man nicht immer erwischt.
„Weißes Gold“: Warum es diese Insel ohne Salz vielleicht gar nicht gäbe
Jetzt wird’s historisch – und ehrlich gesagt ist das mein Lieblingsteil der Geschichte. Denn diese Seen sind nicht einfach nur hübsch, sie sind der Grund, warum St. Martin überhaupt so wurde, wie es heute ist.
Über Jahrhunderte war Salz das „weiße Gold“ der Karibik. Die Niederländer brauchten dringend Salz (zu einer Zeit als es noch keinen Strom gab), um ihre riesigen Fischfänge – vor allem Hering – haltbar zu machen. Und ausgerechnet dieses kleine Eiland hatte davon reichlich: Salzseen, aus denen sich das kostbare Salz ganz ohne Aufwand direkt in der Sonne gewinnen ließ.
Das Salz war so wertvoll, dass sich Engländer, Portugiesen, Spanier, Franzosen und Niederländer hunderte Jahre kriegerisch um diese Insel auseinander gesetzt haben, bis die Niederländer und die Franzosen im Jahr 1648 im Vertrag von Concordia die Insel einfach untereinander aufteilten – bis heute die kleinste Insel der Welt, die sich zwei Nationen friedlich teilen. Und das Geschäft lief prächtig: Um 1850 wurden hier weit über 300.000 Fässer Salz im Jahr produziert, und rund ein Drittel der Inselbevölkerung lebte davon. St. Martin war quasi ein Salz-Weltmeister.
Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts geriet die Salzgewinnung ins Stocken, bis sie um 1949 endgültig eingestellt wurde. Geblieben sind die Seen – und ihre Geschichte, die man an jeder Ecke der Insel noch spürt. Der berühmte Great Salt Pond direkt in Philipsburg auf der niederländischen Seite erinnert bis heute daran, und auch charmante Orte wie Grand Case sind buchstäblich am Rand der alten Salzteiche gewachsen.
Mehr als Salz: ein Paradies für Vögel
Was viele nicht wissen: Die Salzseen von St. Martin sind heute vor allem eines – ein streng geschütztes Naturparadies. Auf der französischen Seite gibt es ganze 16 dieser Lagunen und Salzteiche, von denen 14 unter Naturschutz stehen. Seit 2012 gehören sie sogar zu den international bedeutsamen Feuchtgebieten der weltweiten Ramsar-Konvention.
Und das aus gutem Grund: Rund 85 Vogelarten leben hier oder machen auf ihrer langen Reise Station – viele davon kommen aus Nordamerika und legen bis zu 6.000 Kilometer zurück. Über 50 dieser Arten sind streng geschützt. Wer genau hinschaut, entdeckt elegante Stelzenläufer, schneeweiße Silberreiher, Braunpelikane und unzählige kleine Watvögel, die im Schlick nach Futter stochern. Für alle Hobby-Ornithologen unter euch: Fernglas nicht vergessen!
Und wo seht ihr das alles?
Genau da kommen wir ins Spiel. Auf unserer Rundfahrt über die ganze Insel kommt ihr an einigen dieser Salzseen relativ nah vorbei – und wir erzählen euch dann die Geschichten dahinter: vom weißen Gold, von der geteilten Insel und, wenn wir Glück haben, vom rosa Wasser. Sofern ihr mal im Sommer auf der Insel seid.
Warum wir das alles so lieben
Wisst ihr, was wir nach über zehn Jahren hier am schönsten finden? Dass diese Insel immer noch Geschichten bereithält. Ein See, der plötzlich pink wird. Ein Salzteich, der eine ganze Weltgeschichte in sich trägt. Ein Schwarm Vögel, der zweimal im Jahr den halben Kontinent überquert, um ausgerechnet hier bei uns Rast zu machen.
Das ist für mich die Karibik: nicht nur Postkarten-Strand, sondern eine Insel voller kleiner Wunder, wenn man nur weiß, wo man hinschauen muss. Und genau das zeigen wir euch am liebsten.
Bis bald auf „unserer“ Insel! 🏝️
Alle Infos zu unseren Inseltouren findet ihr hier;
Wer die Arbeit des Réserve Naturelle Nationale de Saint-Martin
unterstützen oder beoachten möchte, klickt gern hier:
https://reservenaturelle-saint-martin.com/




Kommentar verfassen